Woods Of Birnam

Woods Of Birnam_Cover

Artist:     Woods Of Birnam
Album:     Woods Of Birnam
VÖ:         07.11.2014
Label:     Royal Tree Records / Broken Silence

Wie fängt man an, wo und womit genau? Das war schon beim Aufräumen des Kinderzimmers schwierig, das kommt immer wieder, und das fällt einem immer noch nicht leichter, wenn jetzt auf einmal dieses erstaunliche Album vor einem liegt. Anders als diesem Text ist den Woods of
Birnam etwas gelungen, das zum Schönsten überhaupt gehört – ein Beginn.

Wo ein Beginn ist, da gibt es Beginner. Da ist Christian Friedel, der als Ensemblemitglied am Dresdner Staatsschauspiel erreicht hat, dass im Parkett neben den schlohweißen Abonnementpublikumsköpfen auch wieder junge Menschen zu sehen sind. Im Kino war Christian u.a. in „Das weisse Band” zu sehen, er wird als Georg Elser zu sehen sein, aber er sieht sich eben auch als Musiker – als solcher tritt er mit den Woods das erste Mal in Albumlänge in gewaltige Erscheinung. Da sind noch Philipp Makolies, Uwe Pasora, Ludwig Bauer und Christian Grochau, der Klangkörper von Polarkreis 18, der in den Woods of Birnam ein neues, gemeinsames Projekt gefunden hat.

Bei dieser Kombination wundert es einen nicht, dass die Woods zunächst mal keine Lust haben, sich stilistisch festzulegen, im Gegenteil, sie haben eine große Lust, genau dies nicht zu tun. Das erklärt sich zum Einen schon aus der Bandbreite diverser Nebenprojekte der Woods und auch als Backing Band bei Enno Bunger ist man gebucht. Zum Anderen entstehen alle Stücke als eine Art Legierung, Christian Friedel legt größtenteils die Songs vor, die Band umhüllt diese mit Musik. Ein schönes Pingpong ist das, mit jedem Takt lernt man einander besser kennen, und auch wegen dieses Findens ist diese erste Platte ein Beginn. „Wenn man so will, kann das gemeinsame Schaffen der Band erst mit Abschluss dieses Albums richtig losgehen“, sagt Christian.

Zusammen hat man sich schon auf der Bühne des Staatsschauspiels ausprobiert, im „Hamlet”, und was soll man sagen? Bei den Polstersitzen stellten sich die Härchen auf, den Alten kippte das Monokel aus dem Tränensack, alle Augen: funkelten. „Wir sehen uns aber nicht als Theaterband“, sagt Christian, die Woods haben zum Beispiel auch einen Gastauftritt im Film „Elser”, und „vielleicht machen wir ja auch noch mehr Filmmusik, auch das wäre eine interessante neue Schnittstelle“. Die Theatralik ist also eine Farbe der Band, genau wie die vielfältigen musikalischen Vorbelastungen. Mischt man diese Farben, entsteht ein Ton, für den es vielleicht noch keinen Namen gibt, der aber wiedererkennungswertvoll ist.

Ein so facettenreiches Debütalbum wie „Woods of Birnam“ lässt sich im Grunde nur möglichst allgemein beschreiben: als große, erwachsene Popmusik. Konkret sind es die melodischen Gesänge, die den Klang der Woods ausmachen. Dazu kommen die ungewöhnlichen Beats von Christian Grochau im Zusammenspiel mit dem groovenden Bass von Uwe Pasora, das melancholische, oft zurückgenommen-fein-atmosphärische Gitarrenspiel von Philipp Makolies und die vielschichtigen Soundwelten von Multiinstrumentalist Ludwig Bauer.

Die Texte hat Christian Friedel in langen Dresdner Nächten zusammen mit William Shakespeare geschrieben (wenn ich das richtig verstanden habe) und diese Texte sind zugleich konkret genug, um Themen zu setzen, und hinreichend vage, um auf eigene Gedanken zu kommen, kommen zu müssen. Man kann das hören bei „Soon“, wo sich auch zeigt, dass das Englische für Friedel ein besonderer Schutz ist. Es gibt ihm „die Möglichkeit, extrem aufzumachen und doch noch ein Geheimnis zu bewahren“.

Der Chartpopper sagt, er müsse auf Deutsch singen, um sich ausdrücken zu können – der Künstler erkennt diese Chance im Gegenlauf, das ist der Unterschied. Produzent Tobias Siebert wiederum war es wichtig, bei der musikalischen Vielfalt einen roten Faden einzuweben. Versucht hat er es und gelungen ist es ihm vor allem über die Stimme und den Satzgesang. Beides gibt einem Halt und Orientierung in den atmosphärischen Weiten der Woods, in denen einem immer mal wieder eine Ecke irgendwie bekannt vorkommt – hier wird munter in der Popgeschichte herumzitiert, aber nie zu Lasten des Eigenen.

Cornelius Pollmer
(Süddeutsche Zeitung)

Woods Of Birnam live:
02.10.2014 Dresden – Staatsschauspiel – Hamlet
16.10.2014 Zürich – Pfauen/Kammer
29.10.2014 Dresden – Staatsschauspiel – Hamlet
07.11.2014 Berlin – Fluxbau
09.11.2014 Dresden – Groovestation
15.11.2014 Köln – Die Wohngemeinschaft
16.11.2014 Hamburg – Kleiner Donner
19.11.2014 München – Literaturfest

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