Volcano Choir

Volcano Choir_Repave_Cover

Artist:     Volcano Choir
Album:     Repave
VÖ:         30.08.2013
Label:     Jagjaguwar / Cargo Records

Ein leichtes Zucken ging durch die Welt, als Justin Vernon im letzten Jahr ankündigte, sich für das Nachfolgeralbum seines grandiosen Albums Bon Iver sehr viel Zeit lassen zu wollen. Doch keine Angst, die wirklich großen Künstler lassen uns nicht im Stich: Am 30. August erscheint mit REPAVE das zweite Album von VOLCANO CHOIR. Das war einmal ein Projekt – und ist heute eine Band, in der Justin Vernon als Sänger und die grandiosen Musiker der Postrock-Grenzgänger Collections Of Colonies Of Bees an den Instrumenten zusammengefunden haben. Das klingt nach großer Klasse. Und sprengt alle Erwartungen.

Die erste VOLCANO CHOIR-Platte „Unmap“ entstand 2009 noch als Experiment. Vernon und seine Mitstreiter spielten sich Song-Fragmente zu. Ein höchst kreatives Ping-Pong-Spiel unter Laborbedingungen. Doch dann kamen Justin Vernon, Jon Mueller (Schlagzeug), Chris Rosenau (Gitarren), Daniel Spack (Gitarren), Matthew Skemp (Bass) und Thomas Wincek (Keyboards) auf die Idee, eine kurze Tour durch Japan zu spielen. „Das klang nach einem großen Spaß“, erinnert sich Vernon. „Das Problem war nur, dass wir die Songs noch nie gemeinsam gespielt hatten. Wir mussten sie erst lernen.“ Bei diesen Proben erfand sich das Projekt als Band neu. Und als in Japan live die Post abging, war klar, dass dieser neue Weg genau der richtige war. Vernon: „Wir dachten, wir spielen in Japan ein paar Gigs für freundliche Menschen. Doch dann war da diese Energie… Uns war klar, dass es mit VOLCANO CHOIR weitergehen musste.“

Weiter ja. Aber anders. Die Musiker trafen sich in einem Raum, einem kleinen Kabuff, nicht viel Größer als eine Wohnküche. „Es ist unbeschreiblich, wie sich dieser Raum entwickelt hat“, staunt Vernon noch immer. „Erst erschien er uns klein. Jetzt wissen wir, dass er unsere Kreativzelle war.“ In vielen kleinen und großen Sessions näherte sich die Band den Songs ihres zweiten Albums an. „Die neuen Stücke sollten songorientierter sein, andere Strukturen vorweisen, unsere Energie zum Vorschein bringen“, erinnert sich Vernon an die Maßgabe.

Als einer der ersten Songs manifestierte sich das über den Wolken schwebende „Alaskans“. Vernon singt unverstellt mit seiner tiefen Stimme. Wie ein alter Freund, der eine sehr gute Geschichte erzählt. „Der Song steht sinnbildlich für den Wandel, den wir durchleben“, sagt Vernon. „Wir haben keine Wahl, als uns ständig zu verändern und zu hinterfragen. Als Menschen. Und als Band sowieso.“ Seine Kopfstimme, die Vernon bei Bon Iver zu seinem Markenzeichen gemacht hat und die ihn regelmäßig auf die Gästeliste der aufregendsten Pop-Platten zwischen Kanye West und Poliça bringt, nutzt Vernon nur für das Code-Wort der Platte, das folgerichtig auch ihr Titel ist: „Repave“ – neues Pflaster für ausgetretene Wege. Zweifellos ein großer Moment,  und das Album hat davon noch mehr zu bieten: Zum Beispiel den großen Refrain der Single „Byegone“: „Set sail“ – der hymnische Chorgesang wird von Chris Rosenaus göttlicher Gitarrenlinie gekontert, und es entsteht ein Moment, im dem sich die kämpferisch-torkelnde Seefahrereuphorie von Modest Mouse mit der Eleganz von Fleetwood Mac vereint.

Fans von Bon Iver werden „Tiderays“ lieben, halb Folk-Song, halb Post-Rock-Marsch. Besonders bemerkenswert: Songs wie dieser sind unendlich melodisch und trotzdem so spannend arrangiert wie Captain-Beefheart-Alben. Das gilt auch für das elektrisierende Stück „Comrade“, das dafür sorgt, dass Freunde höchst innovativer Indie-Rock-Musik auch in einem Jahr ohne neues Grizzly-Bear-Album keine Trauer tragen müssen. VOLCANO CHOIR lassen die Platte mit „Almanac“ ausklingen: Wuchtiges Schlagzeug, kosmische Keyboards, filigrane Akustikgitarren. Und Justin Vernon? Gibt erst den brummigen Storyteller, wandelt dann auf den Spuren von Prince und verliert sich zum Finale im babylonischen Echo-Dickicht seiner eigenen Stimme.

Wären alle Bands da draußen so versiert und mutig, so eigenständig und grenzgängerisch wie VOLCANO CHOIR – man müsste sich über die Musikindustrie viel weniger Sorgen machen. Aber egal, dieses Album kommt. Genießen wir seine Einzigartigkeit!

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