Tommy Finke

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Artist:     Tommy Finke
Album:     Unkämmbar
VÖ:         28.03.2013
Label:     AREA Entertainment / Al!ve

Wer Tommy Finke mal mit umgehängter Gitarre und Mundharmonika gesehen hat, muss natürlich an Joan Baez denken. Da stutzen Sie, was? Und haben gedacht, es sollte doch eigentlich „…muss an den jungen Dylan denken“ heißen. Ich denke an Baezens wunderschönes „Diamonds and Rust“, wo es um eben jenen Robert Zimmermann aus Minnesota geht, den die Sixtees-Sirene als „unwashed phenomenon“ besingt.

Bei unseren Begegnungen machte Tommy Finke zwar immer einen ungekämmten, aber durchaus gewaschenen Eindruck – ein Phänomen ist er allemal. Einer, den man „Liedermacher“ nennen würde, wenn dieser Begriff nicht so ausgelutscht wäre. Also nennen wir ihn „Songwriter“, weil das cool und modern und leicht melancholisch klingt – und all das passt auf Finke wie Arsch auf Eimer, wie man in seiner Bochumer Heimat sagen würde.

Das ist Ihnen zu deftig formuliert? Weil der Tommy doch so ein Lieber ist? Und seine Texte manchmal so traurig? Nun, traurig können viele, das Einzigartige an Tommy Finke ist diese Mischung aus Melancholie und Abgeklärtheit. Die Emotionen in seinen Songs balancieren oft am Abgrund und scheuen auch die großen Fragen nicht: „Ich bin noch jung / frisch gebaut / da sind noch Nähte in der Haut / meine Narben heilen langsam / aber wer hat mich / wer hat mich gemacht?“

Seine neue Platte bietet wieder melodienstarkes Songwriting vom Feinsten, musikalisch noch abwechslungsreicher als seine bisherigen Werke. Lagerfeuer-Songs wie „L. <3 L.“ wechseln ab mit Highway-Heulern wie „Unrasiert und fern der Heimat“ oder druckvollen Rockern wie „Canossa“ – aus dem die guten alten Achtziger grüßen, obwohl der Bengel damals noch mit der Trommel um den Christbaum rannte! Ein Cello ist dann und wann zu hören, natürlich die Mundharmonika, und mir persönlich haben es besonders die Pauken in „Sag ihnen, dass du sie liebst“ angetan, genauso wie das Piano in „Skeptic“ – ganz nebenbei und meiner maßgeblichen Meinung nach eines der schönsten Stücke deutscher Popmusik der letzten zehn Jahre.

Und man kann eine großartige Platte nicht besser enden lassen als mit einem Lied wie „Mit 17 in Hamburg“. Liebeslied und Vater-Nachruf, eine wehmütige Coming-of-Age-Miniatur, eine Short-Story in Versen. Und die Liebe ist bei Tommy Finke immer wie er selbst: Unkämmbar.

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