Here We Go Magic

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Here We Go Magic – “A Different Ship” VÖ 11.05.2012 (Secretly Canadian / Cargo Records)

Das zweite Album von HERE WE GO MAGIC, “Pigeons”, stand gerade einmal ein paar Wochen in den Läden, als auf dem Glastonbury Festival im Juni 2010 bereits die Saat für den Nachfolger gesät wurde. Die Band aus New York hatte seit dem Frühjahr das Publikum von Bonnaroo, Coachella und anderen Festivals mit ihrer fast schon unheimlichen Live Chemie verzückt, während sie Tracks vom Album zu groovenden Soundexperimenten verarbeiteten und dabei beinahe synchron besessen wirkten.

Schon seit ihren ersten Proben zusammen war das ihre Besonderheit, als Sänger/Songwriter Luke Temple, Bassistin Jennifer Turner, Gitarrist Michael Bloch, Schlagzeuger Peter Hale und die damalige Keyboarderin Kristina Lieberson durch den kollektiven Glauben an musikalische Spontanität und einer Art und Weise der Improvisation, die viel zu himmlisch geordnet herüberkommt, um noch „Jamming“ genannt zu werden, zusammen kamen.

Man kann sich jedoch niemals auf die Bedingungen eines Festivals verlassen, so dass Glastonbury die Nerven von HERE WE GO MAGIC ordentlich strapazierte. Sie betraten die Bühne in der sengenden Mittagssonne, nachdem sie nur wenige Stunden geschlafen hatten („wir wussten nicht, dass wir Zelte mitbringen sollten“) und hatten am Anfang Probleme, den Zugang zum Publikum zu finden. Wie Bloch erzählt: „Wir haben mit einem unglaublichen Kater total erschöpft vor einem Publikum gespielt, das verkatert und vollkommen erschöpft war.“

Temple fügt hinzu: „Das Publikum war nicht sehr motiviert, bis auf diese beiden Typen in der ersten Reihe. Einer von ihnen tanzte vollkommen durchgedreht herum und gerade, als ich beschlossen hatte, nur für diese beiden Typen zu spielen, wurde mir klar, dass das Thom Yorke und Nigel Godrich waren!“ Die Band traf Yorke und Godrich kurz nach der Show. In den nächsten Wochen tauchte Godrich auf den HERE WE GO MAGIC Shows in London und Paris auf und schlug der Band schließlich vor, ihnen bei ihren nächsten Aufnahmen behilflich zu sein. Er stellte besonders heraus, dass er ihnen helfen wolle, ihren hypnotischen Livevibe auf Tape zu bannen.

Was er dann auch tat. „A Different Ship“ ist das bemerkenswerteste und fesselndste Album von HERE WE GO MAGIC, das über einen emotionalen und musikalischen Spannungsbogen verfügt, der abwechselnd beruhigend und aufregend ist; manchmal auch beides gleichzeitig. „I Believe In Action“ und „Make Up Your Mind“ klingen, als wären sie aus dem Universum ins Studio gebeamt worden, während bodenständigere Tracks wie „Miracle Of Mary“, „Over The Ocean“ und „Alone But Moving“ schlaftrunken vorwärts wandeln und Temples kühles Timbre durch den Nebel schneidet.

Die Aufnahmen begannen im vergangenen Frühjahr in Los Angeles, in dem sie Godrich langsam kennenlernten und sich an einen Aufnahmestil gewöhnten, der ihnen einiges abverlangte. Vorher hatten sie immer in dem Stil aufgenommen, den sie noch von den ersten HERE WE GO MAGIC Aufnahmen mit dem Vierspurgerät von Temple kannten: da wurden die einzelnen Teile intuitiv übereinandergelegt, bis alles energetisch zusammenkam und frühere Ideen noch immer irgendwo im Untergrund herumgeisterten.

Die Band verließ sich immer auf diese Vorgehensweise und hat ihre Livesets immer wieder als eine Möglichkeit beschrieben, diesen Prozess nachzustellen und die Songs jede Nacht neu zu errichten. Für „A Different Ship“ hoffte die Band, genau diese Aktivität erneut einzufangen, gleichzeitig jedoch auch daran zu arbeiten, das Fundamentale des Songs sprechen zu lassen. Hale erklärt: „Wir wollten alles einfach halten, hatten aber am Anfang keine Ahnung, in welche Richtung das gehen sollte.“

Nach den ersten Sessions in L.A. zog sich die Band in ein Haus im Staat New York zurück, wo sie in einem See schwimmen und jammen konnten, ohne Studiozeiten einzuhalten. Als sie dann im Herbst in Godrichs Studio in London aufschlugen, waren sie voller Ideen, so dass die Songs ganz natürlich zu fließen begannen: „Ich denke, das Beste an der Platte sind die Dinge, über die wir erst am Ende nachdachten“, erklärt Temple, „Songs wie „Over The Ocean“, „I Believe In Action“ oder „Made To Be Old“ wurden morgens geschrieben und am Nachmittag bereits aufgenommen.“

Mit den grandiosen Sounds, die ihnen in London zur Verfügung standen, fiel es ihnen leicht, die „Keep it simple“-Regel einzuhalten. „Als Jen „Pigeons“ produzierte, waren die Sounds dichtgedrängter und wir haben es geschafft, den unendlichen Raum dazwischen zu finden“, erinnert sich Bloch, „dann bist du plötzlich in einem Studio wie dem von Nigel und alles klingt gigantisch. Nur eine einzige von Jens Bassnoten füllte den ganzen Raum aus. Wenn man dann anfängt, Sounds aufeinanderzustapeln, stiehlt das der einzelnen Note ihre Schönheit. Darin war Nigel so fantastisch: er wusste einfach, wo er uns aufhalten musste, kannte die Limits unserer Soundpalette und konnte genau sagen, wie man sich Raum zum Atmen lässt.“

Obwohl es fast ein Jahr dauerte, bis alles ausgegoren war und der Entstehungsprozess sich über zwei Kontinente erstreckte, verfügen die neun Songs auf „A Different Ship“ über einen thematischen roten Faden; das, was die Band als „unausgeglichene Spannung zwischen dem Wunsch, allein zu sein und dem Wunsch, Verbindungen einzugehen“ beschreibt.

Temple fasst das so zusammen: „Die Musik ist wunderschön, fühlt sich jedoch so an, als sei sie spröde und würde jeden Moment auseinanderbrechen. Sie schwebt immer zwischen Moll und Dur, fröhlich und traurig und versucht, die perfekte Balance zu finden. Viele der Songs enden plötzlich und unvermittelt, so als ob die Dinge einfach in der Luft schweben bleiben. Das ist es, was uns als Band ausmacht: sich nach vorn zu bewegen, selbst, wenn wir unsicher sind und beruhigt in dem Wissen zu sein, dass uns unterwegs glückliche Unfälle passieren.“

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